12.04.2018 - 08:46 Uhr |

Hochschule Harz

50 Jahre „Prager Frühling“ und die politischen Folgen

Historische GenerationenHochschule im April

Wernigerode, 12.04.2018 (newsropa.de) - Am Dienstag, dem 17. April 2018, von 17 bis 19 Uhr, lädt die GenerationenHochschule wieder Bildungsinteressierte jeden Alters zur nächsten Vorlesung ins AudiMax („Papierfabrik“, Haus 9, Am Eichberg 1) auf den Wernigeröder Campus ein. Zusammen mit György Dalos, Schriftsteller, Übersetzer, Historiker sowie Mitbegründer der ungarischen Opposition, referiert Wolfram Tschiche über „Das Krisenjahr 1968 – der ‚Prager Frühling‘ und die politischen Folgen”. Die beiden Referenten beleuchten das Thema u.a. aus der Perspektive von Literatur, Film sowie Kunst und diskutieren die Reaktionen in der Bundesrepublik Deutschland auf die Proteste und deren gewaltsame Niederschlagung. Die Teilnahme ist wie immer kostenfrei, die Anmeldung erfolgt unter www.generationenhochschule.de.

Der studierte Theologe Wolfram Tschiche übte als Oppositioneller in der DDR Kritik am „realen Sozialismus“. Der Philosoph und Publizist ist heute in der politischen und philosophischen Jugend- und Erwachsenenbildung tätig, im Auftrag von politischen Stiftungen und Bildungseinrichtungen führt er internationale Seminare durch. Seit 2008 leitet er ein Zeitzeugenprojekt zum „Prager Frühling“.

Das Jahr 1968 war weltweit von dramatischen Ereignissen gekennzeichnet. Die Empörung über den Vietnamkrieg hatte zum globalen Charakter der 68er-Protestbewegung beigetragen. Weiterhin wurde im April desselben Jahres Martin Luther King ermordet, wodurch es zu Rassenunruhen kam; im Juni erlag Robert F. Kennedy ebenfalls einem Attentat. Die USA war somit innen- und außenpolitisch erschüttert. Frankreich, Italien und die BRD sahen sich mit rebellierenden Studierenden und Jugendlichen konfrontiert, die die Nachkriegsgesellschaften infrage stellten. Nach dem Attentat auf Rudi Dutschke im April 1968 kam es schließlich auch in der BRD zu heftigen Protesten. Die herrschenden Eliten reagierten auf die Streiks z.T. mit massiven staatlichen Repressalien.

Auch in Ostmitteleuropa kam es 1968 zu Rebellionen und Reformversuchen. Zwei Themen standen im Mittelpunkt: Wie können die sozialistischen Planwirtschaften effizienter und produktiver gestaltet werden? Zweitens wurde der Ruf nach mehr politischen Freiheiten – Presse-, Meinungs-, Reise- und Versammlungsfreiheit – immer lauter. Jedoch ist das Jahr 1968 hier vor allem mit den politischen und wirtschaftlichen Reformversuchen in der Tschechoslowakei verbunden, die als „Prager Frühling“ in die Geschichte eingingen. Unter Führung Alexander Dubceks wurde der Versuch unternommen, den Sozialismus stalinistischer Prägung durch einen „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ zu ersetzen. Die militärische Niederschlagung dieses Reformversuchs durch die „Bruderstaaten“ des Warschauer Pakts unter Führung der Sowjetunion hatte immense politische Auswirkungen – weit über die CSSR hinaus. „Rückblickend kann man festhalten, dass der ‚Prager Frühling‘ die historisch letzte Möglichkeit war, den ‚realen Sozialismus‘ im Sinne einer umfassenden Demokratisierung zu reformieren“, so die Referenten.