18.10.2017 - 09:30 Uhr |

Staatliche Kunstsammlungen Dresden

„Kulturzug Praha – Dresden // Dresden – Praha“ läutet die neue Kooperation zwischen den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und der Nationalgalerie Prag ein

Dresden/Prag, 18.10.2017 (newsropa.de) - Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und die Nationalgalerie Prag feiern ihre neue Kooperation mit einem Kulturprogramm auf der Bahnstrecke zwischen Dresden und Prag. An mehreren Terminen in diesem Winter werden Kulturschaffende aus Tschechien und Deutschland den Eurocity-Zug der Tschechischen Bahngesellschaft České dráhy und der Deutschen Bahn zwischen Prag und Dresden als mobile Spielstätte nutzen. Der „Kulturzug Praha – Dresden // Dresden – Praha“ wird zweimal von Dresden nach Prag und zweimal in die entgegengesetzte Richtung unterwegs sein.

Für den Auftakt des Programms konnten die Museumsverbünde den Dichter Durs Grünbein (*1962 in Dresden) gewinnen. Der vielfach ausgezeichnete Autor wird am 4. November 2017 von Dresden nach Prag aufbrechen. Im Gepäck hat er u.a. seinen neuen Gedichtband „Zündkerzen“ sowie sein autobiografisches Buch „Die Jahre im Zoo“. Darin schaut Grünbein auf seine Kindheit in der Gartenbaukolonie Hellerau in Dresden zurück, beschreibt aber auch seine Reisen nach Prag und die Suche nach Kafka-Büchern in den dortigen Antiquariaten. Er wird am Abend des 6. November 2017 außerdem im Prager Goethe-Institut aus „Die Jahre im Zoo“ lesen.

Am 2. Dezember 2017 begleitet die tschechische Künstlerin Kateřina Šedá (*1977 in Brno) den Zug von Prag nach Dresden und wird eigens für die Fahrt eine neue partizipative Arbeit konzipieren. In ihre „sozialen Aktionen“ bezieht Šedá stets Dutzende bis Hunderte von Menschen ein und inszeniert Ereignisse u.a. in kompletten Dörfern oder entlang ganzer Straßenzüge. Dabei beschäftigt sie sich stets mit zwischenmenschlichen Beziehungen, konfrontiert die Beteiligten, die in aller Regel keinen Bezug zur Kunst haben, mit Stereotypen und versucht so, etablierte Verhaltensmuster zu durchbrechen und sozialer Isolation und Rückzug entgegenzuwirken. Kateřina Šedá wird keinen Sonderwaggon nutzen, sondern mit ihrem Programm im gesamten Zug präsent sein.
Am 9. Dezember 2017 lesen die tschechischen Autoren Jakuba Katalpa und David Zábranský auf der Strecke von Prag nach Dresden aus ihren neuen Romanen.

Die 1979 in Pilsen geborene Jakuba Katalpa (eigentlich Tereza Jandová) studierte Tschechisch sowie Literatur, Sprach- und Literaturkultur in Prag und Hradec Králové. Mit der deutsch-tschechischen Familiensaga „Němci: Geografie zráty“ („Die Deutschen: Geographie eines Verlustes“) landete sie Ende 2012 einen Überraschungserfolg, der u.a. als „Tschechischer Roman des Jahres 2013“ (Cena Česká kniha) ausgezeichnet wurde. Auf der Reise nach Dresden hat sie ihr neues Werk „Doupě“ („Die Höhle“) dabei.

David Zábranský wurde 1977 in Prag geboren und arbeitete nach dem Studium der Medien- und Rechtswissenschaften zunächst als Anwalt im NGO-Bereich. 2006 erschien sein erster Roman „Slabost pro každou jinou pláž” (Engl. „Any Beach But This“), für den er mit dem renommiertesten tschechischen Literaturpreis „Magnesia litera“ ausgezeichnet wurde. Er wird aus seinem neuen Roman „Za Alpami; o Němci, který šel s dobou“ („Jenseits der Alpen; über einen Deutschen, der mit der Zeit ging”) lesen. Die Fahrt findet in Kooperation mit dem Tschechischen Literaturzentrum der Mährischen Landesbibliothek statt.

Eine weitere Reise von Dresden nach Prag ist mit der Sängerin, Texterin, Schauspielerin und Zeichnerin Anna Mateur (*1977 in Dresden) geplant. Der Termin wird in Kürze bekannt gegeben. Anna Mateur (eigentlich Anna-Maria Scholz) studierte Musik in Dresden und tourt seit vielen Jahren im deutschsprachigen Raum. Sie wurde u.a. mit dem Deutschen Kleinkunstpreis 2008, dem Publikumspreis „Marlene“ 2015 und 2017 und dem Förderpreis der Stadt Dresden 2017 ausgezeichnet. Im Zug tritt sie als „Orakelmateur“ auf und wird interaktiv mit dem Publikum arbeiten.

Im Ticket für den Kulturzug inklusive sind die Fahrt von Prag nach Dresden bzw. Dresden nach Prag, ein geführter Rundgang durch die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden bzw. die Nationalgalerie Prag sowie freier Eintritt in alle Häuser der Museen am Wochenende der Fahrt. Die Rückreise können die Fahrgäste individuell planen und somit selbst entscheiden, ob sie ein ganzes Wochenende oder nur einen Tag in der jeweiligen Stadt verbringen möchten. Die Karten sind ab sofort über die Website der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden buchbar unter www.skd.museum/kulturzug.

Für die Fahrt mit Kateřina Šedá genügt ein normales Ticket der České dráhy bzw. der Deutschen Bahn.

Die Veranstaltungen finden im Rahmen der Echos des Deutsch-Tschechischen Kulturfrühlings 2017 statt – einer grenzüberschreitenden Kulturinitiative der Deutschen Botschaft Prag, des Goethe-Instituts in Prag, des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds und der Tschechischen Zentren in Berlin und München in Zusammenarbeit mit dem Kulturministerium und dem Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten der Tschechischen Republik.

Marion Ackermann, Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden: „Mit dem Kulturzug möchten wir die engen Beziehungen zwischen Tschechien und Deutschland sichtbar machen und die neue Kooperation zwischen der Nationalgalerie Prag und den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden feiern. Ich freue mich sehr, dass wir dafür so renommierte Künstler gewinnen konnten. Sie verbinden das Publikum über die Grenzen hinweg, bringen die deutsche und die tschechische Kultur zusammen und spiegeln gleichzeitig unseren genreübergreifenden Ansatz wider, bei dem wir verstärkt Literatur, Performance und Musik in die Museumsarbeit einbeziehen.“

Jiří Fajt, Generaldirektor der Nationalgalerie Prag: „Der „Kulturzug Praha – Dresden // Dresden – Praha“ verfolgt vor allem ein Ziel: die Vernetzung des kulturbegeisterten Publikums in Dresden und Prag. Begleitet von Kunst, Performance und Literatur reisen die Fahrgäste von der Elbe zur Moldau und werden an ihrem jeweiligen Ankunftsort von den Museen willkommen geheißen und in die Kunst- und Kulturgeschichte der gastgebenden Städte eingeführt. So entstehen über die Kunst neue Kontakte, Dialoge und im besten Fall sogar Freundschaften zwischen Deutschland und Tschechien. Über viele Jahre war die Nationalgalerie internationalen Kooperationen gegenüber sehr verschlossen und ich bin stolz, dass diese Zeit nun der Vergangenheit angehört.“

Berthold Franke, Leiter der Region Mittelosteuropa, Goethe-Institut: „Der „Kulturzug Praha – Dresden // Dresden – Praha“ verlängert den Deutsch-Tschechischen Kulturfrühling, mit dem wir bislang schon über eine Viertel Million Menschen erreicht haben, bis in den Winter. Mit der Symbolik des Zugs, der die Grenze zwischen den Ländern mit den Mitteln der Kunst scheinbar mühelos überquert, möchten wir ein weiteres Zeichen für die grenzübergreifende Verständigung zwischen Deutschland und Tschechien setzen.“

Tomáš Jelínek, Geschäftsführer des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds: „Schon seit fast zwanzig Jahren baut der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds Brücken zwischen Tschechen und Deutschen. Gern fördern wir deshalb die neue Kooperation zwischen den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und der Nationalgalerie Prag, die trotz der geografischen Nähe bislang noch nicht zusammengearbeitet haben. Ich bin mir sicher, der „Kulturzug Praha – Dresden // Dresden – Praha“ wird weitere innovative Kunstprojekte nach sich ziehen, die die gemeinsame Kultur und Geschichte für ein breites Publikum greifbar machen.“

Schon seit Anfang des Jahres haben die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und die Nationalgalerie Prag zahlreiche gemeinsame Vorhaben, die vor allem dem Austausch und der Vernetzung dienen, umgesetzt:

Aus Anlass der Ausstellungen „Gerhard Richter“ in Prag und „Gerhard Richter. Neue Bilder“ in Dresden, die zeitgleich zu sehen waren, kamen im August und September 2017 Dresdner und Prager Jugendliche in beiden Städten zusammen, um über Richter, seine Kunst und seine Bedeutung in der aktuellen Kunstszene zu diskutieren und kreativ zu reflektieren. Das Format soll weiterentwickelt und ausgebaut werden.
Ebenfalls im Rahmen der Gerhard Richter-Ausstellungen initiierten die Museumsverbünde einen Austausch der Freundes- und Förderkreise der beiden Institutionen, um eine bessere Vernetzung zwischen dem kunstinteressierten Publikum in Dresden und Prag anzuregen.

In den kommenden Jahren werden eine Reihe gemeinsam konzipierter Ausstellungen und Forschungsprojekte folgen:
Die Nationalgalerie Prag plant in den nächsten Jahren die Sanierung des Messepalastes (Veletržní palác). Während des Umbaus öffnet das Albertinum seine Türen für die in Prags größtem Ausstellungsgebäude beheimatete Sammlung moderner Kunst. Die Highlight-Schau gewährt dem Dresdner Publikum einen Einblick, der in seiner Breite und in seinem Umfang im Ausland bislang einmalig ist.
Das Forschungs- und Ausstellungsprojekt „Bellum et Artes – der Dreißigjährige Krieg und die Künste. Krieg, Kunst und Diplomatie – Mitteleuropa zwischen 1600 und 1650“ widmet sich ab 2020 anlässlich des 400-jährigen Jubiläums der Schlacht am Weißen Berg den Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges auf die künstlerische und kulturelle Situation in den Residenzstädten Dresden, Prag, Wien und Stockholm im europäischen Kontext. Das gemeinsam mit dem Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europa (GWZO) geplante Vorhaben soll nach der gemeinsamen Forschungsarbeit in eine Ausstellung in drei bis vier Städten (Prag, Dresden, Wien, Stockholm) münden und an jeder Ausstellungsstation einen konkreten, standortbezogenen Aspekt des Themas in den Mittelpunkt stellen.
Mit „Prager Provenienzen“ ist ein Forschungsprojekt der Gemäldegalerie Alte Meister der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und der Sammlung Alter Meister der Nationalgalerie Prag überschrieben, das im Jahr 2021 anlaufen wird. Im 18. Jahrhundert gelangte eine große Anzahl vielfach herausragender Meisterwerke aus Prag nach Dresden. Noch heute sind über 110 Gemälde der Dresdner Gemäldegalerie Alte Meister mit einer Prager Provenienz nachweisbar. Es handelt sich meist um Werke niederländischer und italienischer sowie einiger deutscher Künstler. Ziel des Projektes ist die Ermittlung der Provenienzen des heutigen Bestandes in den Dresdner und Prager Gemäldegalerien, die Rekonstruktion der gesamten Ankäufe im Verlauf des 18. Jahrhunderts sowie die Gewinnung von Erkenntnissen über den Kunsthandel in diesen Städten bzw. deren Agenten und die bevorzugten Orte der Erwerbungen.
Darüber hinaus ist ein wissenschaftlicher Austausch zu den Prager und Dresdner Sammlungsbeständen asiatischer Kunst geplant.

Kulturzug Praha – Dresden // Dresden – Praha
Übersicht über Termine und Zeiten

1. Samstag, 4. November 2017: Literaturreise mit dem Autor Durs Grünbein im Konferenzwaggon, Moderation: Dr. Berthold Franke, Leiter der Region Mittelosteuropa, Goethe-Institut.
Abfahrt in Dresden um 15:08 Uhr, Ankunft in Prag um 17:27 Uhr

2. Montag, 6. November 2017: Lesung aus „Die Jahre im Zoo“ mit Durs Grünbein im Goethe-Institut Prag (Masarykovo nábř. 32, 110 00 Prag). Die Veranstaltung ist öffentlich, der Eintritt ist frei.
Beginn 19:00 Uhr

3. Samstag, 2. Dezember 2017: Kunstreise mit der tschechischen Künstlerin Kateřina Šedá. Die Auftritte finden an verschiedenen Orten im gesamten Zug statt.
Abfahrt in Prag um 10:28 Uhr, Ankunft in Dresden um 12:43 Uhr

4. Samstag, 9. Dezember 2017: Literaturreise mit den tschechischen Autoren Jakuba Katalpa und David Zábranský im Konferenzwaggon.
Abfahrt in Prag um 10:28 Uhr, Ankunft in Dresden um 12:43 Uhr

5. Termin wird in Kürze bekannt gegeben: Interaktive Kunstreise mit der Dresdner Sängerin, Texterin, Schauspielerin und Zeichnerin Anna Mateur als „Orakelmateur“ im Konferenzwaggon.


Die Veranstaltungen werden organisiert von den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und der Nationalgalerie Prag und gefördert durch das Goethe-Institut Tschechien, den Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds und das Tschechische Literaturzentrum der Mährischen Landesbibliothek.