31.03.2017 - 08:27 Uhr |

Gewandhaus zu Leipzig

25./26. Mai & 03. Juni: Gastspiele mit Andris Nelsons & Kristīne Opolais in Wien & Dortmund

Leipzig, 31.03.2017 (newsropa.de) - Die dritte Tournee der Saison 2016/2017 führt mit dem designierten Gewandhauskapellmeister Andris Nelsons und der lettischen Sopranistin Kristīne Opolais nach Wien und Dortmund.

Am ersten Abend im Wiener Musikverein (25. Mai 2017) stehen Franz Schuberts »Unvollendete« - die 7. Sinfonie h-Moll sowie Anton Bruckners 4. Sinfonie in der Fassung von 1878/80 auf dem Programm. Den zweiten Abend (26. Mai) sowie das Gastspiel im Konzerthaus Dortmund (03. Juni) bestreiten Andris Nelsons, Kristīne Opolais und das Gewandhausorchester mit einem Dvořák-Smetana-Programm.

25. Mai 2017, Musikverein Wien
Franz Schubert – 7. Sinfonie h-Moll D 759 (»Unvollendete«)
Anton Bruckner – 4. Sinfonie Es-Dur WAB 104 (»Romantische«)
Tickets (VVK-Start: 01. April 2017)

26. Mai 2017, Musikverein Wien
Antonín Dvořák – Othello Ouvertüre für großes Orchester op. 93
Antonín Dvořák und Bedřich Smetana – Arien und Lieder
Antonín Dvořák – Polonaise aus der Oper »Rusalka« op. 114
Antonín Dvořák – 9. Sinfonie e-Moll op. 95 (»Aus der Neuen Welt«)
Tickets (VVK-Start: 03. April 2017)

03. Juni 2017, Konzerthaus Dortmund
Antonín Dvořák – Othello Ouvertüre für großes Orchester op. 93
Antonín Dvořák und Bedřich Smetana – Arien und Lieder
Antonín Dvořák – Polonaise aus der Oper »Rusalka« op. 114
Antonín Dvořák – 9. Sinfonie e-Moll op. 95 (»Aus der Neuen Welt«)
Tickets

Anton Bruckner tritt in der Gewandhausgeschichte erstmals als Organist in Erscheinung. Im achtzehn Tage zuvor eröffneten neuen Gewandhaus spielt der Komponist am 29. Dezember 1884 ein Konzert auf der neuen Orgel. Einen Tag später wird seine 7. Sinfonie vom Gewandhausorchester unter der Leitung von Arthur Nikisch uraufgeführt. Die Uraufführung in Leipzig brachte dem Komponisten den ersten durchschlagenden Erfolg. Ohne Übertreibung lässt sich sagen: Bruckners Anerkennung als Komponist und sein Ruhm sind von Leipzig ausgegangen.

Nikisch war ein großer Bewunderer der Musik Bruckners und leitete in der Spielzeit 1919/20 den ersten Bruckner-Zyklus der Welt, gespielt vom Gewandhausorchester. Die Musikhistoriker sind sich einig: Diese interpretatorische Großtat war "das wichtigste Ereignis in der Geschichte der Bruckner-Rezeption seit dem Tod des Komponisten". Bei einem dieser Konzerte (12.2.1920) hielt Nikisch nach der Aufführung der 7. Sinfonie spontan eine Dankesrede an die Zuhörer: „Wenn Bruckner einer gekommen wäre und ihm gesagt hätte: ‚Du, sei nicht verzagt, es gibt eine Stadt in Deutschland, in der - und zwar in nicht zu ferner Zeit - Deine sämtlichen Werke innerhalb eines Konzertwinters zur -Aufführung gelangen‘, er hätte ihn für verrückt erklärt ... Die zyklische Aufführung sämtlicher Sinfonien Bruckners war nur möglich durch die zunehmende Begeisterung des Gewandhaus-Publikums ...“

Bruckner ist seitdem in Leipzig in besonderer Weise gepflegt worden – allein, ein Bruckner-Zyklus kam erst 1974/75 wieder zustande: Gewandhauskapellmeister Kurt Masur konzipierte aus Anlass des 150. Geburtstages des Komponisten einen zehn Programme umfassenden Zyklus mit allen Sinfonien und dem Te Deum. Sieben Abende dirigierte Masur selbst, drei wurden von Gastdirigenten geleitet, unten ihnen Herbert Blomstedt. Dessen Bruckner-Konzerte, die er als Gewandhauskapellmeister und danach dirigierte, gelten als Referenz-Interpretationen und wurden in den Jahren 2005-2011 für CD-Veröffentlichungen mitgeschnitten.

Am 21. März 1839 fand unter der Leitung von Felix Mendelssohn Bartholdy die Uraufführung von Franz Schuberts C-Dur-Sinfonie (D. 944) statt. Die Uraufführung war eine wirkliche Großtat Mendelssohns. Er hat die Größe des Werkes auf Anhieb erkannt, die Initiative zur Uraufführung ergriffen und damit wesentlich - wenn nicht gar entscheidend - zur Anerkennung Schuberts als Sinfoniker beigetragen. Die Sinfonie wurde von Robert Schumann, im Nachlass des Komponisten in Wien entdeckt. Die Sinfonie war die erste Komposition Schuberts, die in einem Gewandhauskonzert gespielt wurde. Die Existenz der 7. Sinfonie („Unvollendete“), die auf dem Tourneeprogramm steht, wurde erst 1865 bekannt und im selben Jahr in Wien uraufgeführt.

Am 8. Januar 1880 kam im Gewandhausorchesterkonzert zum ersten Mal ein Werk von Antonín Dvořák zur Aufführung, nämlich das Lied „Das Sträußchen“. Wenige Wochen später spielte das Gewandhausorchester zwei der „Slawischen Tänze“. Seither gehört Dvorák zu den viel gespielten Komponisten der Abonnementkonzerte des Gewandhausorchesters, allen voran die 9. Sinfonie „Aus der neuen Welt“. Die 9. Sinfonie wurde nur ein Jahr nach der New Yorker Uraufführung im Jahr 1893 erstmals in Leipzig gegeben. Das Gewandhausorchester kann sich außerdem rühmen, in den Dreißiger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts ein Werk Dvoráks uraufgeführt zu haben: Das nachgelassene Violoncello-Konzert A-Dur, das von Günter Raphael instrumentiert wurde. Keines der Werke Dvoráks des Tourneeprogramms – außer der 9. Sinfonie - ist bisher in Konzerten des Gewandhausorchesters erklungen.

Was das Gewandhausorchester bei seinen Gastspielreisen erlebt, erfahren Sie im offiziellen Tournee-Blog.