22.02.2016 - 08:59 Uhr |

Tourismus Marketing Gesellschaft Sachsen

2015 war ein durchwachsenes Jahr für den Sachsen-Tourismus

Gäste- und Übernachtungszahlen praktisch auf Vorjahresniveau

Dresden, 22.02.2016 (newsropa.de) - Mit 7 405 916 Gästen und 18 732 207 Übernachtungen in Beherbergungsbetrieben mit zehn und mehr Betten im Jahr 2015 stagnierte der Tourismus in Sachsen praktisch auf Vorjahresniveau. Bei den Gästeankünften lag die Differenz bei 0 Prozent, bei den Übernachtungen betrug sie -0,9 Prozent. Damit schnitt Sachsen schlechter ab als Deutschland insgesamt, wo es im vergangenen Jahr laut Statistischem Bundesamt ein Plus von rund 3 Prozent Gästeankünften und rund 4 Prozent mehr Übernachtungen gab.

Auffällig ist dabei der Unterschied bei Gästen aus Deutschland einerseits und internationalen Gästen andererseits. Während aus dem deutschen Markt ein Minus von 0,7 Prozent Gästeankünften und 1,4 Prozent Übernachtungen verzeichnet werden musste, gab es beim Incoming ein erfreuliches Plus von 5,1 Prozent mehr Gästen und 3,5 Prozent mehr Übernachtungen. „Es muss nicht lange spekuliert werden, dass die Ereignisse im Zusammenhang mit der Flüchtlingsproblematik in Sachsen und vor allem die praktisch das ganze Jahr vorherrschende mediale Berichterstattung zu diesem Thema ein besseres Ergebnis aus dem deutschen Markt verhindert haben“, kommentierte Hans-Jürgen Goller, Geschäftsführer der Tourismus Marketing Gesellschaft Sachsen mbH (TMGS) die Jahresbilanz 2015. „Vor diesem Hintergrund sind die ganz leichten Rückgänge für Sachsen insgesamt sogar noch etwas besser, als ich sie erwartet hatte. Aber 4,2 Prozent weniger Gäste und 5,1 Prozent weniger Übernachtungen aus Deutschland in Dresden weisen auf die Ursachen hin.“ Vor allem das Gruppengeschäft habe dort gelitten.

In den anderen Reisegebieten in Sachsen gab es ein uneinheitliches Bild. Zuwächse auf ganzer Linie gab es nur in Leipzig (+1,7% mehr Gäste und +2,3% Übernachtungen) und vor allem in der Region um Leipzig, dem Sächsischen Burgen- und Heideland (+3,5% mehr Gäste und +4,0% mehr Übernachtungen). Das Erzgebirge (+0,8% mehr Gäste, -0,3% weniger Übernachtungen) und die Oberlausitz (+2,2% mehr Gäste, -0,5% weniger Übernachtungen) hatten zumindest mehr Gäste als im Vorjahr, wohingegen die Sächsische Schweiz mit -0,1% Gästen und -1,2% Übernachtungen nur ganz leicht unter dem Vorjahresniveau lag. Deutlichere Verluste erlitten das Vogtland mit -2,1% Gästen und -1,6% Übernachtungen sowie das Sächsische Elbland mit -1,1% weniger Gästen und -4,8 Prozent weniger Übernachtungen. Am schlechtesten schnitt die kleinste Destination in Sachsen, die Stadt Chemnitz, ab. Hier waren die Rückgänge mit -4,9 Prozent weniger Gästen und -8,9 Prozent Übernachtungen schon recht deutlich. Sehr gute Zuwächse von jeweils 6,1 Prozent mehr Gästen und Übernachtungen aus dem Ausland sorgten in Dresden dafür, dass der negative Effekt aus dem Inland abgemildert werden konnte und die Stadt insgesamt ein Minus von 2,3 Prozent Gästen und 3,0 Prozent Übernachtungen zu verzeichnen hatte.

Sehr erfreuliche Entwicklung beim Gästeaufkommen aus dem Ausland
Auch für Sachsen verhinderte das Incoming nennenswerte Rückgänge. Sehr gut entwickelte sich der ohnehin schon seit längerem an erster Stelle liegende niederländische Markt mit +3,0 Prozent mehr Gästen und +8,7 Prozent mehr Übernachtungen. Damit werden jetzt schon zehn Prozent aller Ausländerübernachtungen in Sachsen von Holländern generiert. Besonders erfreulich: Im Gegensatz zu den anderen ausländischen Quellmärkten reisen die Niederländer nicht nur in die Großstädte, sondern auch in die ländlichen Regionen im Freistaat. So konnte das Erzgebirge aus Holland auf einem schon vorher guten Niveau einen Zuwachs von sage und schreibe plus 77,9 Prozent Übernachtungen verzeichnen.
Bei kleineren, absoluten Zahlen waren es im Vogtland plus 79,7 Prozent, in der Sächsischen Schweiz plus 19,2 Prozent und in der Oberlausitz plus 18,7 Prozent. Hier zeigen die verstärkten Marketingmaßnahmen dieser Regionen in Kooperation mit der TMGS eindeutig Wirkung. Und der niederländische Markt verspricht noch weitere Zuwächse, da es ab Mai 2016 eine tägliche, direkte Flugverbindung mit KLM von Amsterdam nach Dresden geben wird.

Auch das Gästeaufkommen aus dem zweitgrößten Auslandsmarkt Schweiz nahm weiterhin leicht zu, während bei der bisherigen Nummer drei, Österreich, leichte Rückgänge bei Gästen und Übernachtungen zu verzeichnen waren. Daher sind nunmehr die USA, von wo es ein sehr erfreuliches Plus von 6,6 Prozent mehr Übernachtungen gab, in diesem Bereich wieder der drittgrößte Quellmarkt. Ebenfalls mit guten Zuwächsen folgen dahinter Polen, Großbritannien und Tschechien. Die mit Abstand größte Steigerung gab es mit über 62 Prozent mehr Gästen und Übernachtungen aus Spanien. Damit liegt dieses Land jetzt schon an achter Stelle beim Gästeaufkommen aus dem Ausland nach Sachsen und hat Italien und Russland verdrängt. Während die Rückgänge aus Italien mit rund minus 6 Prozent noch überschaubar waren, brach der russische Markt ein weiteres Mal deutlich ein. Nach minus 5,5 Prozent Übernachtungen im Jahr 2014 ging die Zahl im letzten Jahr noch einmal um minus 22,5 Prozent zurück. Die Ursachen hierfür sind ganz offensichtlich der Wechselkursverlust des russischen Rubels und die politischen Rahmenbedingungen.

Aus China gab es mit plus 32,6 Prozent mehr Gästen und plus 26,9 Prozent mehr Übernachtungen weiterhin hohe Zuwächse. Da die TMGS ihre Aktivitäten auf diesem Markt intensivieren wird, werden diese wohl auch im laufenden Jahr zu verzeichnen sein. China ist 2015 erstmals an Japan vorbeigezogen und an Position elf beim Incoming jetzt größter asiatischer Quellmarkt für Sachsen.

Schwierige Prognose für das laufende Jahr
Angesichts der wiederholten Terroranschläge in Nordafrika und in der Türkei steht die deutsche Reisebranche insgesamt vor einem schwer einzuschätzenden Reisejahr 2016. Die Reisebüroumsätze - schon im Dezember rückläufig - sind im Januar deutlich eingebrochen. Reisen nach Tunesien und Ägypten sind praktisch zum Erliegen gekommen, für die Türkei liegen die Rückgänge zurzeit bei minus 40 Prozent. Auch im Hinblick auf Griechenland halten sich die Deutschen angesichts der Flüchtlingskrise zurück. Eindeutige Gewinner werden in diesem Jahr wohl Spanien und Portugal sein und auch Deutschland dürfte wohl aus dem Inland von der unsicheren Lage in den Warmwasserzielen im östlichen Mittelmeer profitieren. Allerdings lässt sich nicht abschätzen, wie stark dieser Effekt sein könnte, da nicht jeder, der von einer Reise ans östliche Mittelmeer absieht, stattdessen ins Mittelgebirge fahren wird. Insofern rechnet die TMGS aus Deutschland im laufenden Jahr mit wieder steigenden Gäste- und Übernachtungszahlen, auch für Dresden. Allerdings gibt es erste Anzeichen, dass Deutschland in einigen ausländischen und außereuropäischen Quellmärkten aufgrund der geopolitischen Lage nicht mehr als so sicheres Reiseland gesehen wird wie bisher. Auch die wirtschaftliche Situation in einigen Quellmärkten könnte zu einer Verlangsamung des Wachstums aus dem Ausland führen. Zuverlässige Prognosen sind daher zum jetzigen Zeitpunkt noch sehr schwierig.