18.09.2018 - 12:46 Uhr |

Deutsche Kindermedienstiftung GOLDENER SPATZ

Ergebnis Konferenz ZUKUNFT KINDERFILM: Mit Mut für mehr Aufmerksamkeit und Vielfalt

* Graphic Recording // Zukunft Kinderfilm 2018 © studio animanova

Mit Mut für mehr Aufmerksamkeit, Sichtbarkeit und Vielfalt von Kinderfilmen

200 Branchenvertreter erarbeiteten am 6. und 7. September auf der ersten Konferenz ZUKUNFT KINDERFILM gezielt Maßnahmen, um die Erfolgschancen des deutschen Kinderfilms zu stärken

Weimar, 18.09.2018 - (newsropa.de): Auf Initiative des Kuratoriums junger deutscher Film haben sich am 6. und 7. September 2018 in Weimar über 200 Vertreter der Kinderfilmbranche eingefunden, um in interaktiven Workshops neue Strategien für mehr Vielfalt, Wertschätzung und Sichtbarkeit für den deutschen Kinderfilm zu erarbeiten und dessen Erfolgschancen zu verbessern. Impulsvorträge, u.a. von Super RTL, Jung von Matt, KB&B-The Kids Group, Tonies, Hochschulen und dem Paritätischen Gesamtverband, bereicherten die Diskussionen mit Input aus den Bereichen Marketing, Filmbildung, Lebenswelten von Kindern, Mediennutzung und digitalem Storytelling. Zudem kam die Zielgruppe selbst – Kinder und Jugendliche – zu Wort und gestaltete die Konferenz aktiv mit. Als Ehrengast war aus den USA die erfolgreichste deutsche Kinderbuchautorin CORNELIA FUNKE live per Skype für ein Gespräch zugeschaltet.

Mit jährlich mehr als 20 Kinostarts hat sich der deutsche Kinderfilm mittlerweile zu einer starken Wirtschaftskraft entwickelt, der nicht mehr nur als Randphänomen zu betrachten ist, sondern den es als eigenständiges Genre und Kulturgut ernst zu nehmen und wertzuschätzen gilt.

„Wir sind begeistert, dass es gelungen ist, gemeinsam mit 200 Vertretern aus allen Bereichen der Kinderfilmbranche konkrete Forderungen zu erarbeiten. Nun ist es an uns, diese auch weiterzutragen und zu Ergebnissen zu führen“, resümiert Anna Schoeppe, Direktorin des Kuratoriums junger deutscher Film.

Ein wesentlicher Unterschied zu herkömmlichen Konferenzen war der Prozess, unterstützt durch das Konzept von ‚the Value Web‘, dass alle Teilnehmer kollaborativ und interaktiv miteinander Problemstellungen und Maßnahmen erarbeitet haben. Anhand der Fragestellung, was für den deutschen Kinderfilm in einem Maßnahmenplan bis 2023 erreicht werden soll, erarbeiteten die Teilnehmer zahlreiche Forderungen.

Hierzu zählen u.a. folgende Punkte:

• Kinderfilm als Kulturgut anerkennen

• Filmbildung im schulischen und außerschulischen Bereich stärken

• Altersfreigaben der FSK – Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft reformieren und ausdifferenzieren

• Erfolgskriterien jenseits von Zuschauerzahlen etablieren

• Kinder als Experten wahrnehmen und in Entscheidungsprozesse einbeziehen

• Forschungsdaten aufbereiten und verbreiten

• mehr Diversität vor und hinter der Kamera sowie in Entscheidungsgremien

• Förderstrukturen und Budgets den aktuellen Marktbedingungen anpassen

• Thema ‚Kinderfilm‘ in Gremien und Politik verankern

• Verwertung des Films und entsprechende Marketingmaßnahmen ab der Stoffentwicklung mitdenken

• höhere Marketingbudgets von mind. 25% der Herstellungskosten erforderlich

• Kanäle und Multiplikatoren im Online-Bereich nutzen, um mehr Kinder und Eltern zu erreichen

• Bereich ‚Kinderfilm‘ an Filmhochschulen etablieren
• Kommunikation mit Zielgruppe von Beginn an

• weitere Expertise außerhalb der Branche einholen

Durch eine Vielfalt von Maßnahmen soll zukünftig das Image, die Sichtbarkeit sowie die Wertschätzung des Kinderfilms deutlich aufgebessert und die Zielgruppe effektiver erreicht werden.

Notwendig sei es beispielsweise, die derzeitigen FSK Altersfreigaben stärker zu differenzieren. Der Zugang zu Kinderfilmen soll zukünftig erleichtert werden, etwa durch die Einführung und Stärkung von Filmclubs, durch feste Sendeplätze für Kinderfilme im Hauptprogramm verschiedener Sender, Kinomagazine mit Tipps von der Zielgruppe selbst, Event- und Familientage in Kinos oder aber das im Rahmen der Konferenz vorgestellte neue ‚Kinder und Jugend Filmportal‘.

Als ein weiterer Aspekt der Konferenz wurde deutlich, dass der Austausch mit der Zielgruppe selbst verbessert werden muss. Ein konkreter Vorschlag ist, die junge Zielgruppe als Experten künftig aktiv in den Entstehungsprozess von Filmen mit einzubeziehen, angefangen von der Stoffentwicklung bis hin zur Vermarktung. Auch wolle man Kinder- und Jugendjurys wie die beim Kongress vertretene FBW-Jugend Filmjury, in Gremien Gehör verschaffen.

Generell solle die Präsenz des Themas ‚Kinderfilm‘ in Gremien und Politik intensiviert werden, um Bekanntheit und Sensibilität zu schaffen. Infos und Wissen zum aktuellen Status Quo müssen dafür aufbereitet und an entsprechenden Stellen verbreitet werden.
Mit der Zielgruppe von Beginn an in Kontakt zu sein, ist auch für die Vermarktung der Filme unerlässlich. Um dies umsetzen zu können, braucht es separate Marketingbudgets und Fördertöpfe, die es ermöglichen, die Verwertung eines Filmes so früh wie möglich mitzudenken und zu unterstützen. Erforderlich sei ein Budget in Höhe von mindestens 25 Prozent der Herstellungskosten.

Aus dem Kreis der Konferenzteilnehmer wurde außerdem eine größere Diversität vor und hinter der Kamera gefordert. Im Hinblick auf die Filmbildung solle Kinderfilm als Kulturgut angesehen und stärker im schulischen und außerschulischen Bereich verankert werden. Wünschenswert wäre ein Kulturtag ‚Film‘, der allen Familien den Zugang zum Kulturort Kino ermöglicht.

Im Bereich der Stoffentwicklung und Finanzierung wurde sich für mehr Zeit und ein höheres Budget für die Entwicklung und Realisierung qualitätsvoller Kinderfilme ausgesprochen. Dazu sollte zukünftig ein regelmäßiger Austausch zwischen Kreativen, Entscheidern und Auswertern im Rahmen von Foren, Branchentreffs und Feedbackrunden zur Normalität werden, um Förderstrukturen und Budgets den aktuellen Marktbedingungen entsprechend anzupassen. Auch sei es wichtig, den Bereich Kinderfilm an Hochschulen zu etablieren und zur Vertiefung anzubieten.

Fazit: Kinder als Experten wahrzunehmen und diese in Entwicklungsprozesse von Filmen frühzeitig zu integrieren, mutig zu sein, Neues zu etablieren, konkrete Forderungen zu stellen, den Blick über die Branche hinaus zu wagen, sich regelmäßig in Feedbackrunden auszutauschen und auf Branchentreffs zu vernetzen, eine gemeinsame Sprache zu entwickeln und zu kooperieren – das sind nur einige Themenfelder der Konferenz, die es nun weiterzuentwickeln und umzusetzen gilt.

Ausgerichtet wurde die Konferenz Zukunft Kinderfilm vom Kuratorium junger deutscher Film, in Kooperation mit der Deutschen Kindermedienstiftung Goldener Spatz, der Deutschen Film- und Medienbewertung (FBW), dem Förderverein Deutscher Kinderfilm e.V., der Initiative KIDS Regio und der Gegenwart GmbH & Co. KG.
Mit freundlicher Unterstützung von: Thüringer Staatskanzlei, Mitteldeutsche Medienförderung (MDM), Film- und Medienstiftung NRW, Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM), Filmförderungsanstalt.

Weitere Informationen gibt es unter www.zukunft-kinderfilm.de. Eine umfassende Dokumentation der Ergebnisse wird dort in Kürze zur Verfügung gestellt.