25.04.2018 - 13:01 Uhr |

Medientage Mitteldeutschland

Keine Selbstverständlichkeit: Barrierefreiheit in den Medien

Leipzig, 25.04.2018 (newsropa.de) – Die Tatsache, dass auf den Medientagen Mitteldeutschland nun schon zum dritten Mal über das Thema Barrierefreiheit in den Medien gesprochen wird und dass natürlich Gebärdendolmetscherinnen und technische Hörhilfen für das Publikum vorhanden sind , dies darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass es in der öffentlichen Wahrnehmung noch eine zu geringe Rolle spielt und dass die Umsetzung der Barrierefreiheit trotz vieler Bekenntnisse an vielen Stellen noch mangelhaft ist.

Das Thema sei extrem wichtig, denn 80 Prozent der Menschen mit Behinderung seien aktive Mediennutzer, sagt die Behindertenbeauftragte der Stadt Leipzig, Carola Hiersemann. Der Beauftragte für Barrierefreiheit des MDR, Georg Schmolz, ergänzt: Dies betreffe immerhin 15 bis 17 Prozent der Gesamtbevölkerung. Eine Verbesserung der Barrierefreiheit liege also auch im Interesse von Journalistinnen und Journalisten, die von allen Menschen wahrgenommen werden wollen.

Moderator Dr. Matthias Müller vom Landesverband der Schwerhörigen und Ertaubten Sachsen spricht die Diskrepanz zwischen rechtlichen Grundlagen und praktischer Umsetzung an. Die meisten Gesetze gälten für den Bund und die Länder, bemerkt Carola Hiersemann. Verbände und Vereine müssten aber auch die Kommunen stärker in die Pflicht nehmen, damit diese zum Beispiel ihre Webseiten barrierefrei gestalteten, wie es die Stadt Leipzig zu tun bemüht sei. Dies betrifft beispielsweise große Schrift, die Möglichkeit, Inhalte vorlesen zu lassen, oder auch einfache Sprache für kognitiv eingeschränkte Menschen.

Grit Wißkirchen, Vizepräsidentin des Medienrates der Sächsischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien, berichtet von den Bemühungen der SLM sowie von einer Arbeitsgruppe Barrierefreiheit, die sich des Themas annimmt. Wißkirchen weist aber darauf hin, dass zum Beispiel die Untertitelung von Live-Sendungen im Fernsehen technisch sehr anspruchsvoll und noch nicht ausgereift sei.

Von den Bemühungen und Fortschritten beim MDR berichtet Georg Schmolz. Für 92 Prozent der Sendeinhalte würden mittlerweile Untertitel angeboten. Bei der Gebärdenübersetzung liege man bei 6 Prozent, was technisch sehr viel aufwändiger und teurer sei.

Aus dem Publikum kommt viel Lob für den MDR, der in dieser Hinsicht – nach der ARD – ein Vorreiter in Deutschland sei. Aber auch von praktischen und alltäglichen Problemen wird berichtet, denen die Vertreter der Medien mit der Bitte um Verständnis begegnen. Die Dinge verbesserten sich langsam, aber stetig. Im Übrigen müsse das Thema in der gesellschaftlichen Wahrnehmung stärker verankert werden, um die Sensibilität zu erhöhen, erinnert Carola Hiersemann. 15 Prozent der Menschen hätten ein Handicap – aber in Filmen tauchen sie praktisch nicht auf.