25.04.2018 - 10:59 Uhr |

Medientage Mitteldeutschland

Arbeitsbedingungen im Journalismus: Ein hartes Brot

Leipzig, 25.04.2018 (newsropa.de) – Bei den Medientagen Mitteldeutschland wurde heute über die Arbeitsbedingungen von Journalisten diskutiert. Das Podium zu diesem wichtigen Thema war breit aufgestellt: Neben den Journalisten Anne Hähnig (Die ZEIT) und Johannes M. Fischer (Thüringer Allgemeine) diskutierten der Gewerkschafter Frank Wernecke (verdi), Malte Krückels (Staatssekretär in Thüringen) und Horst Röper (FORMATT-Institut).

Moderator Andreas Postel (ZDF) begann das Gespräch mit einem Blick auf den aktuell veröffentlichten Bericht von Reporter ohne Grenzen, demzufolge sich nicht nur die Arbeitsbedingungen von Journalisten weltweit verschlechtert haben, sondern der Berufsstand auch in Europa unter Druck geraten ist, wie die Morde an den Journalisten Daphne Caruana Galizia und Jan Kuciak zeigen. Auch der Abbau der Pressefreiheit in den EU-Ländern Polen und Ungarn wurde beklagt.

Die Debatte wandte sich schnell heimischen Gefilden zu: „Pressefreiheit muss man sich jeden Tag erkämpfen“, sagte Johannes M. Fischer, „und das machen wir nicht erst seit gestern“. Auch in Deutschland leben Journalisten in einem Geflecht von Interessen und treten Menschen auf die Füße, die ihrerseits versuchen, Einfluss auf die Berichterstattung zu nehmen – gerade im lokalen und regionalen Bereich. Sich dagegen zu wehren, sei eben auch ein Kampf um die Pressefreiheit.

Ein zentraler Aspekt der Debatte war die gesellschaftliche Akzeptanz von Journalismus bzw. der Mangel derselben, wie er sich etwa in „Lügenpresse-Rufen“ ausdrückt. Anne Hähnig betonte, wie wichtig es sei, mit den Lesern das Gespräch zu suchen und warnte vor Parallelöffentlichkeiten, die entstehen, wenn Menschen sich von den konventionellen Medien abwenden. Aus eigener Erfahrung berichtete sie, dass es oft hilfreich ist, zu erklären, wie Journalisten arbeiten. Andererseits würde jede Recherche irgendjemandem nicht passen. „Wenn man beliebt sein will, darf man nicht Journalist werden“, so Hähnig. Johannes Fischer betonte in diesem Zusammenhang, das es notwendig sei, über den Alltag der Menschen zu berichten und darüber, was sie umtreibe.

Ein anderer Diskussionspunkt waren die prekären Arbeitsbedingungen von Journalisten. Horst Röper kritisierte die Entlassung von zahlreichen Redakteuren in den vergangenen Jahren genauso wie die Tarifflucht von zahlreichen Verlagshäusern, und nannte die Bezahlung von freien Mitarbeitern „kläglich“. Auch Werneke schlug in diese Kerbe: „Tarifflucht geht zu Lasten der Qualität“, so der Gewerkschafter. Er sagte, dass die Situation der Freien so verheerend sei, dass viele aus ihrem Beruf ausscheiden würden. Er schickte auch noch eine konkrete Forderung hinterher: Ein Verbandsklagerecht, um damit die angemessene Vergütung von freien Journalisten durchsetzen zu können.

Auch eine staatliche Förderung von Journalismus wurde diskutiert – allerdings nicht nach dem Gießkannenprinzip, sondern genau dort, wo sie benötigt wird. Malte Krückels wehrte sich gegen die pauschale Anrufung, dass hier die Politik etwas tun müsse. So habe sein Haus bereits eine Studie genau zur Förderung der regionalen Medienlandschaft in Auftrag gegeben, ein Bewusstsein für die Problematik sei also durchaus vorhanden. Allgemein beklagt wurde, dass die Verlegerverbände eine Diskussion zu diesem Thema rundheraus ablehnen würden.