26.04.2018 - 11:52 Uhr |

Medientage Mitteldeutschland

Nicht ohne Nachrichten! – Wie erreicht man die jungen Leute?

Leipzig, 26.04.2018 (newsropa.de) – Anlässlich der Veröffentlichung des aktuellen Content-Berichts der Landesmedienanstalten wird auf den Medientagen Mitteldeutschland über die Frage diskutiert, wie die junge Zielgruppe erreicht werden kann. Zunächst stellt Cornelia Holsten (Vorsitzende der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten) diese Gruppe vor, die unter Namen wie „Generation Y“ oder „Millennials“ firmiert. Sie wolle Ernst und Spaß, Sinn und Unsinn. Im Prinzip könne man nur eines mit Sicherheit sagen: Sie sind immer und überall online.

Darauf stellt Axel Dammler den aktuellen Stand seiner Forschung über die Jugend vor. Der Geschäftsführer des Forschungsinstituts iconkids & youth erklärt, warum Streaming-Dienste so erfolgreich sind und warum sie das auch bleiben werden. Die individualisierbare Mediennutzung entspeche ganz einfach der Lebensrealität der jungen Leute, die (nicht unbedingt freiwillig!) extrem flexibel und mobil seien und keine dauerhafte Lieblingssendung mehr hätten, sondern die zu jedem Zeitpunkt genau das finden könnten, was für sie relevant sei. Weniger als die Wahl der richtigen Themen sei für Medienanbieter daher die Auffindbarkeit entscheidend. Wie kommuniziere ich mein Angebot? Welche Kanäle bespiele ich?

Warum sich das Klischee so hartnäckig halte, die Jugend interessiere sich nicht für Nachrichten, fragt Moderatorin Azadê Peşmen (Deutschlandradio Kultur) den Chefredakteur und Leiter der RTL2-Nachrichtenredaktion Matthias Walter. Es sei ein extrem altes Klischee, sagt dieser, und einfach falsch, es komme vielmehr darauf an, wie die jungen Leute angesprochen würden und mit welchen Inhalten.

Man müsse sie dort abholen, wo sie sind, sagt Maren Lamersdorf von ProSiebenSat1. Letztlich interessiere die jungen oft dasselbe wie ältere Menschen, nur müsse es anders erzählt werden. Es müsse von deren Standpunkt aus angegangen werden. In ihrer Redaktion – die im Durchschnitt sehr jung sei – werde jeden Tag von neuem nach der richtigen Strategie und der richtigen Sprache gesucht. Die beste Strategie ist das aufmerksame Beobachten, ist sich Joachim Becker von den Landesmedienanstalten sicher: „Auge und Ohr wirklich am Puls der Zeit zu haben“. Der Wettbewerb um die Zuschauer finde heute in einer geradezu schizophrenen Situation statt. Die klassischen Medien arbeiteten seit Jahrzehnten streng reguliert – die Konkurrenten der amerikanischen Konzerne dagegen seien kaum reguliert. Matthias Walter stimmt zu: Auch die Streaming-Dienste sollten, wie jeder deutsche TV-Sender, zu einem Nachrichtenangebot verpflichtet sein. Die ungleichen Anforderungen seien ein großes Problem für die Sender. Extrem wichtig sei schließlich auch, mehr für die Medienkompetenz zu tun. Neben der Arm-Reich-Schwere drohe uns eine Medienkompetenz-Schere. Die Landesmedienanstalten täten durchaus etwas in dieser Hinsicht, finanziell allerdings mangelhaft ausgestattet, gibt Joachim Becker zu.