08.01.2015 - 08:38 Uhr |

DREFA-Mediengruppe

„Aufsichtsbehörde aus Fleisch und Blut“

Quelle: DREFA

Datenschutz-Beauftragter Oliver Grams im Interview

Leipzig, 08.01.2015 (newsropa.de) - Er kümmert sich um die Sicherheit der Daten in zehn Unternehmen der DREFA Mediengruppe. Im Interview spricht Oliver Grams über aktuelle Entwicklungen auf dem Gebiet des Datenschutzes.

Herr Grams, was macht eigentlich ein Datenschutzbeauftragter?

Er schützt Ihre Grundrechte. Als Kontroll- und Aufsichtsperson im Unternehmen sorgt er dafür, dass das Recht auf informationelle Selbstbestimmung - gemäß Artikel 2 unseres Grundgesetzes - gewahrt wird. Das tut er für Mitarbeiter und Kunden gleichermaßen. Wenn Sie so wollen, ist er eine Aufsichtsbehörde aus Fleisch und Blut, die dem Unternehmen hilft, nicht unabsichtlich gegen Gesetze zu verstoßen. Und seien wir doch mal ehrlich: die Rechtsvorschriften in diesem Bereich haben ein Ausmaß, das von einem Datenschützer ohne Vorkenntnisse auch mit ein paar Kursen nicht eben mal so bewältigt werden kann. Einer der gefährlichsten Sätze in diesem Zusammenhang lautet deshalb: "Müller, Sie sind jetzt Datenschutzbeauftragter." Vertrauen Sie mir, wenn ich sage, dass weder Müller noch sein Chef in Zukunft viel Freude an dieser Konstellation haben werden.

Professionelle Datenschützer, die mehrjährige Erfahrungen mit Rechtsvorschriften und - nicht zu vergessen - IT-Sicherheitsthemen mitbringen, können hier zum einen entspannter und zum anderen effektiver für Datensicherheit sorgen. Das liegt nicht zuletzt daran, dass sie diese Tätigkeit nicht nebenbei, sondern in Vollzeit ausüben.

Datenschutz wird mit dem Einzug sozialer Netzwerke in den Alltag immer wichtiger. Können Sie beispielhaft ein paar der häufigsten Fragen nennen, die Sie als Datenschutz-Beauftragter gestellt bekommen?

Soziale Netzwerke sind ein Thema, bei dem ich bis ca. Mitte 2013 nicht selten ungläubige Blicke erntete, wenn ich ihre Nutzung problematisiert habe. Nach den Enthüllungen von Herrn Snowden scheint die Vorsicht im Umgang mit diesen Medien in der Mitte der Gesellschaft angekommen zu sein. Bis zu diesem Ereignis war es jedoch nicht immer leicht zu vermitteln, dass personenbezogene Daten auf der firmeneigenen Facebook-Seite ebenso wenig gepostet werden sollten wie Personaldaten und Bilanzen via Dropbox oder Google Drive.

Es ist schwierig, hier Fragen zu nennen, die besonders häufig gestellt werden. Denn vor dem NSA-Skandal war das Problembewusstsein zu diesem Thema noch nicht weit verbreitet, sodass dazu auch wenige Fragen gestellt wurden. Nach dem Skandal habe ich das Gefühl, dass man sich häufig nicht traut, mir gegenüber überhaupt die Nutzung von sozialen Netzwerken zuzugeben.

Die Unternehmen der DREFA Mediengruppe, die Sie betreuen, decken einen erheblichen Teil der Wertschöpfungskette in der Medienbranche ab. Eine Welt, die sich sehr schnell dreht. Wie bleiben Sie an aktuellen Entwicklungen dran?

Sie spielen damit sicher auf die technischen Aspekte an, die sich in der Tat rasend schnell entwickeln. Als Datenschützer ist es essenzieller Teil meiner Tätigkeit, technische Prozesse bei meinen Kunden zu verstehen, zu dokumentieren und durch technische und organisatorische Maßnahmen zu sichern. Neben ein paar Standardverfahren sind diese Prozesse jedoch meistens hochindividuell. Man lernt deshalb schon durch seine Tätigkeit ständig dazu.

Zu grundsätzlichen Themen wie gängiger und spezieller Hard- und Software in der Branche ist eine laufende Information und Weiterbildung natürlich zwingend nötig. Dazu treibt mich schon mein großes Interesse für diese Themen. Das mag auch meiner technisch-naturwissenschaftlichen Grundausrichtung entspringen. Mit acht Jahren habe ich meine erste Datenbank programmiert. Damals ging es um die Verwaltung der Zeitschriftensammlung meines Vaters. Seitdem lassen mich diese Themen nicht mehr los. Das hilft mir sehr dabei, die Freude an meiner Tätigkeit nicht zu verlieren. Ich denke, intrinsische Motivation ist die Voraussetzung, um gute Arbeit zu machen.

Laut § 5 BDSG sind Sie von Rechts wegen auch für die „Bearbeitung von Beschwerden und Auskunftsersuchen Betroffener“ zuständig. Wie erreicht man Sie im Falle eines Falles?

Das ist recht einfach. Telefonisch erreichen mich Beschwerdeführer und Auskunftsersuchende unter 0341 - 3500 7000. Eine Email empfange ich unter datenschutz@drefa-msg.de. Wer mich persönlich sprechen möchte, findet mich in der media city leipzig, Haus 13, 3. Stock links.

Können Sie zuletzt ein paar Worte zu Ihrer Person sagen.

1978 wurde ich in Halle/Saale geboren und habe nach dem Besuch eines technisch-naturwissenschaftlichen Gymnasiums Jura studiert. Nach verschiedenen Tätigkeiten in den Bereichen Marktforschung und Telekommunikation bin ich seit 2011 Datenschutzbeauftragter unter anderem für die DREFA Media Service GmbH und ihre Schwesterunternehmen. Meinen Kopf trainiere ich am liebsten mit einer Partie Schach. Mit einem guten Fußballspiel kann man mich allerdings jederzeit vom Brett weglocken.