30.08.2011 - 08:15 Uhr |

Staatsregierung Sachsen

Sachsen will Energieland Nummer Eins in Deutschland werden

Quelle: SSK

newsropa.de im Interview mit dem sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich (CDU)

Dresden/Leipzig, 30.08.2011 (newsropa.de) - Im newsropa.de-Exklusivinterview äußert sich der sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich über die Zukunftschancen in den Neuen Ländern anlässlich der Konferenz "Zukunft im Osten". Dabei sieht er schon heute den Freistaat Sachsen gut aufgestellt. Mittelfristig will er das Know-how nutzen, um mit Sachsen das Energieland Nummer Eins in Deutschland zu werden.

Herr Ministerpräsident Tillich, welche Zukunftschancen hat der Osten Deutschlands?

"Ich sehe gute Zukunftschancen für den Osten Deutschlands. Die Menschen haben hier seit 1989 eindrucksvoll bewiesen, wie flexibel, aufgeschlossen und kreativ sie sich neuen Herausforderungen und Aufgaben stellen können. Diese Grundeinstellung ist wichtig und wird entscheidend dazu beitragen, dass wir die vor uns liegenden Aufgaben gemeinsam und im Sinne einer guten Entwicklung Ostdeutschlands meistern werden - egal ob es sich dabei um den demografischen Wandel, die Deckung des Fachkräftebedarfs, die Gestaltung der Energiewende oder die Perspektiven unserer Wirtschaft und Wissenschaft im globalen Kontext handelt."

Welche Rolle nimmt Sachsen in diesem Zukunftsszenario ein?

"Das Pfund, mit dem wir wuchern können, sind in allererster Linie die Menschen. Wir haben hervorragend ausgebildete Fachkräfte. Immer wieder sind sie es, die auch weltweit agierende Unternehmen zu uns locken. Erstklassige Kinderbetreuung und beste Bildungsmöglichkeiten bieten die Voraussetzungen, auch künftig hochqualifizierte Fachleute für unsere Unternehmen auszubilden.
Universitäten, Hochschulen und Institute -Dresden ist die Stadt mit der höchsten Dichte an Fraunhofer-Instituten- bieten im Verbund mit unseren innovativen Unternehmen die Chance, die Wirtschafts-, Wissenschafts- und Hochtechnologieregion im Herzen Europas zu werden. Eine Region, die in der ersten Liga spielt. Unsere Traditionen, die prächtigen Kulturschätze, wunderschöne Landschaften und die einmaligen Sehenswürdigkeiten tragen dazu bei, dass die Menschen sich wohlfühlen und ihre Zukunft in Sachsen gestalten wollen."

Gibt es zukünftig für das Wirtschafts- und Innovationsland Sachsen ausreichend Fachkräfte? Welche Aktivitäten plant der Freistaat?

"Der Freistaat ist sich dessen bewusst, dass in naher Zukunft mehr Menschen aus dem Erwerbsleben ausscheiden als junge Menschen in die Berufstätigkeit nachfolgen können. In manchen Branchen und Regionen ist bereits heute erkennbar, dass es einen Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften gibt.
Wir wollen diesen Bedarf decken, indem wir zunächst die Potentiale in Sachsen für den Arbeitsmarkt ausschöpfen. Als Beispiel möchte ich die Aktion 5.000 x 50 nennen, mit der wir in einer gemeinsamen Aktion mit den Wirtschafts- und Sozialpartnern sowie der Agentur für Arbeit bei den Unternehmen das Bewusstsein dafür wecken wollen, dass Arbeitnehmer jenseits der 50 motivierte Arbeitskräfte mit einem großen, unverzichtbaren Schatz an Wissen und Erfahrung sind. Wir denken auch an die Fachkräfte und Pendler, die ihren Arbeitsplatz in anderen Bundesländern gefunden haben und werben um deren Rückkehr. Auch die Unternehmen müssen erkennen, dass sie um das knapper werdende Gut 'Fachkräfte' in einen Wettbewerb treten und Bedingungen schaffen müssen, um für Fachkräfte attraktiv zu sein. Wir wissen, dass die Wurzeln zu einer ausfüllenden und sinnvollen Tätigkeit früher gelegt werden und dass eine abgeschlossene gute Schulbildung oder ein anspruchsvoller Studienabschluss möglichst in den MINT-Fächern ein solides Fundament für die Gestaltung der zukünftigen Fachkräftesituation darstellt. Wir denken auch daran, dass ausländischen Fachkräften die Aufnahme von qualifizierten Tätigkeiten erleichtert werden sollte. Dazu hat Sachsen eine Initiative in den Bundesrat eingebracht. Diese und viele weitere Projekte und Maßnahmen aus unterschiedlichen Bereichen werden wir zu einer Fachkräftestrategie zusammenfügen, mit der wir die Sicherung des Fachkräftebedarfs in Sachsen für die kommenden Jahre sicher stellen wollen. Sie wird zur Zeit unter Federführung des Sächsischen Arbeitsministeriums erarbeitet und in Kürze dem Kabinett vorgestellt."

Ein wichtiges Zukunftsthema ist auch die Energiefrage. Wie geht Sachsen beim Energiewandel voran?

"Energieerzeugung und -versorgung müssen zuverlässig, bezahlbar und nachhaltig sein. Unser Ziel ist deshalb ein Energie-Mix, der die heimische Braunkohle mittelfristig einschließt und unsere Lebensqualität und Wettbewerbsfähigkeit im Einklang mit dem Klimaschutz nachhaltig sichert.
Energiepolitik ist die Grundlage unseres Wohlstands und immer auch Wirtschafts- und Standortpolitik. Daher müssen wir sie mit Besonnenheit und Augenmaß gestalten. Und wir müssen diesen Umstieg im Dialog mit den privaten Verbrauchern und Unternehmen, mit den Energieerzeugern und -versorgern, mit den Gewerkschaften ebenso wie mit unseren europäischen Partnern vornehmen. Sächsische Unternehmen und Wissenschaftler haben auf dem Gebiet der umweltgerechten Energieerzeugung, der erneuerbaren Energien und der Energieeffizienz ein vielfältiges Know-how. Dieses wollen wir nutzen, um Energieland Nr. 1 in Deutschland zu werden."

In diesem Jahr findet zum ersten Mal eine Konferenz zum Thema "Zukunft im Osten" statt. Würden Sie ein jährlich stattfindendes Forum begrüßen?

"Ich begrüße es, wenn Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft sich zum Gedankenaustausch über unsere Zukunft treffen. Blicke über den jeweiligen Tellerrand sind wichtig und bereichernd."