30.10.2017 - 08:57 Uhr |

Hochschule Harz

Oktober-Vorlesung der GenerationenHochschule zum „Jahrhundert des Umbruchs“

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Worin ähnelt die Zeit zwischen Mittelalter und Neuzeit der Gegenwart?

Wernigerode, 30.10.2017 (newsropa.de) - Die Oktober-Vorlesung der beliebten GenerationenHochschule widmete sich einer weltgeschichtlich bedeutenden Epoche; unter dem Titel „'Und wenn die Welt voll Teufel wäre...' - zwischen Mittelalter und Neuzeit“ nahm Peter Lehmann knapp 200 Teilnehmer mit in die Jahre 1450 bis 1550. „Das ‚Jahrhundert des Umbruchs‘ wird von Historikern als die größte Zäsur in der jüngeren Geschichte bezeichnet“, so der Theologe und Pädagoge.

Anlässlich des 500. Reformationsjubiläums begann Lehmann seinen Vortrag mit einem Verweis auf Martin Luther und dessen Besuch in Wernigerode 1516. Die Veröffentlichung seiner Thesen ein Jahr später stelle jedoch im Vergleich „eher ein Randereignis“ dar. Während Luther Ablasshandel und Ämterhäufung anprangert, überschlagen sich die politischen und gesellschaftlichen Ereignisse im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation: Das Rittertum verfällt, die Bestechlichkeit von Würdenträgern ist offensichtlich und unter den Ländern Europas bilden sich neue Allianzen. Auch außerhalb des Kontinents „bleibt kein Stein auf dem anderen“: die Entdeckung Amerikas und die Erkundung des Kaps der guten Hoffnung bringen wirtschaftlichen Aufschwung und legen den Grundstein für die Globalisierung. „Mit diesen Entdeckungen beginnt die Kolonialisierung der Neuen Welt und die skrupellose Bereicherung der Alten Welt Europa“, stellte der Referent fest, der schon zum dritten Mal bei der GenerationenHochschule zu Gast war.

Es folgen Errungenschaften in Kunst, Technik, Architektur, Philosophie und Medizin. Meister wie DaVinci, Michelangelo, Raffael, Henlein, Dürer und Vesalius betreten die Weltbühne. Historische Revolutionen im Bereich der Bildung, wie die Erfindung des Buchdrucks durch Gutenberg und die Veröffentlichung eines Mathematik-Lehrbuchs in deutscher Sprache durch Adam Ries sind weitere Meilensteine. Die „Erschütterung des Weltbildes der Menschen“ gipfelt in der Erkenntnis von Kopernikus, dass die Sonne den Mittelpunkt des Universums bildet. Diese Ereignisse und die damit einhergehende Orientierungslosigkeit in Verbindung mit Kriegen, Seuchen und Hungersnöten münden schließlich in der festen Überzeugung, der Untergang der Menschheit stehe kurz bevor.

Und wie sieht es heute im Jahr 2017 aus? Lehmann zeigte aktuelle Bilder von Naturkatastrophen, Terror und Gewalt auf den Leinwänden im AudiMax der Hochschule Harz - und endete wo er begonnen hatte: „Und wenn die Welt voll Teufel wäre, und wollt uns gar verschlingen, so fürchten wir uns nicht so sehr, es soll uns doch gelingen“. Mit diesen Zeilen aus einem Kirchenlied Luthers und dem ihm zugeschriebenen Zitat: „Wenn morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen“ entließ der Referent die nachdenklichen Teilnehmer.

Unter www.generationenhochschule.de/veranstaltungen.html findet sich für alle Interessierten der Text zur Vorlesung zum Nachlesen.

Der nächste Vortrag der GenerationenHochschule findet am Dienstag, dem 14. November, von 17 bis 19 Uhr im AudiMax („Papierfabrik“, Haus 9) auf dem Wernigeröder Campus statt. Prof. Dr. Michael Stubbe, Professor für Tierökologie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und Vorsitzender der Gesellschaft für Wildtier- und Jagdforschung, spricht zum Thema: „Wildtiere in Deutschland - Bestandsentwicklung & Auswirkungen auf Mensch und Tier in der Stadt“. Die Veranstaltung findet in Kooperation mit der Jägerschaft Wernigerode e.V. statt. Die Teilnahme ist wie immer kostenfrei, die Anmeldung erfolgt unter www.generationenhochschule.de.