27.09.2017 - 09:19 Uhr |

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Future of Mobility: Kampf der Mobilitätskulturen?

Leipzig, 27.09.2017 (newsropa.de) - Die aktuellen Debatten um Dieselmotor und E-Antriebe spiegeln nichts weniger als einen Kampf um Mobilitätskulturen. Es fällt auf, dass sich die zahlreichen Studien zur neuen E-Mobilität vor allem an einer gutverdienenden, urbanen Zielgruppe ausrichten.

Weitgehend unbeachtet bleiben dagegen die Bedürfnisprofile breiterer Bevölkerungsschichten. Was wollen die? Was brauchen die? Passen die bisher anbietbaren Nutzungsweisen der E-Mobilität auf deren Lebenskonzepte? Wo bleibt gerade für Deutschland die so hochmobile und für das Wirtschaftsgeschehen wichtige Bevölkerung der kleinen Orte und des flachen Landes? Denn in Deutschland findet die Wertschöpfung eben nicht nur in einigen städtischen Zentren und „Metropolregionen“ statt. Und so gibt es eine Vielzahl von Menschen, die sich nicht nur in Freizeit und Urlaub auf lange Distanzen bewegen müssen.

Tatsächlich kann man manchmal den Eindruck gewinnen, als nutzten einige entschiedene Verfechter der E-Mobilität den technischen Paradigmenwechsel, um die Bedeutung von Mobilität in der Gesellschaft überhaupt neu zu definieren: als sollte über die Durchsetzung der e-mobilen Gesellschaft der Zugang zu Mobilität und die Berechtigung von Mobilität an sich neu ausgehandelt werden. Droht so der E-Antrieb zum „Veggie Day“ einer neuen Mobilitäts- und Verkehrspolitik zu werden?

Weder moralische Imperative noch die alleinige Fixierung auf Fragen des Schadstoffausstoßes sind geeignet, um Elektromobile für einen neuen Massenmarkt zu entwickeln. Beide Triebfedern widersprechen sich unter Umständen auch – steht hinter der Kritik an manchen Formen der Mobilität nicht die Vision vom „Volk ohne Wagen“? Für die gesellschaftliche Debatte um neue Mobilitätsformen ist es schädlich, wenn diese Vision nur als unausgesprochene Motivation vorhanden ist und nicht deutlich genug artikuliert wird.