30.08.2017 - 08:45 Uhr |

Hochschule Harz

Pilotprojekt der Wirtschaftspsychologie an der Hochschule Harz

Hochschule Harz

Kongruente Kommunikation mit tierischer Hilfe: Studierende entwickeln Pferdegestütztes Führungskräftetraining

Wernigerode, 30.08.2017 (newsropa.de) - Wie kann ich mein Führungs- und Kommunikationsverhalten verbessern und was brauche ich dafür? Sieben Studierende der Wirtschaftspsychologie der Hochschule Harz fanden zu diesen Fragen nun einen ungewöhnlichen Zugang. Erstmalig planten und realisierten sie ein Pferdegestütztes Führungskräftetraining auf dem Fels-Hof Lengde in Goslar. Prof. Dr. Ulrike Starker betreut die angehenden Akademiker in der Vertiefung Personalentwicklung. Die Wernigeröder Hochschullehrerin erklärt: „Seit über zehn Jahren richten wir in Zusammenarbeit mit Unternehmen ein Training für Auszubildende im gewerblich-technischen Bereich aus. Dieses ‚Azubitraining‘ stärkt Schlüsselkompetenzen wie Problemlösen, Kritikfähigkeit und Teamwork. Nun wollten pferdebegeisterte Studierende ein alternatives Konzept entwickeln“. Dazu nahmen die Kommilitonen im Vorfeld selbst an einem Pferdegestützten Training bei Arite Schima in Mürsbach bei Bamberg teil, erarbeiteten fundiertes Theorie-Wissen und gewannen die Pferdehof-Besitzerin Sabine Fels für ihr Projekt.

Am Anfang stand eine Beobachtung der Pferde, um die Hierarchie innerhalb der Herde einzuschätzen. „Diese praktische Übung hat uns verdeutlicht, wie schnell wir im Alltag Beobachtungen und Bewertungen miteinander vermischen“, berichtet die Studentin Friederike Menz. Als theoretische Grundlage diente das Modell der integralen Führungskraft nach Schulz von Thun: Jeder Mensch besitzt eine persönliche „Führungs-Komfortzone“, die sich innerhalb der Dimensionen Nähe vs. Distanz und Stillstand vs. Weiterentwicklung verorten lässt. Dabei spielt authentisches und kongruentes Verhalten eine wichtige Rolle. Während die Teilnehmer gemeinsam mit den Pferden einen großen Parcours absolvierten, wurden sie sich nicht nur ihres eigenen Führungsverhaltens bewusst, sondern erfuhren auch unmittelbar, wie ihr Gegenüber auf inkongruentes Führungsverhalten reagiert und welche Fähigkeiten sie als Führungskraft benötigen. Friederike Menz beschreibt die Rolle der Tiere als emotionale Komponente: „Sie sind absolut neutral und leben wie wir Menschen ebenfalls in einer sozialen Herdenstruktur, das heißt, sie lassen sich normalerweise gut führen. Voraussetzung dafür ist allerdings eindeutiges Kommunikationsverhalten. Teilnehmern fällt es zudem leichter, Feedback von den Pferden anzunehmen, da dies weniger persönlich ist“, so die 21-jährige Nordhäuserin. Pferde eignen sich insofern besonders als Feedback-Geber, da sie besonders sensibel auf inkongruentes Verhalten reagieren. Eindeutiges und klares Kommunizieren, wie es auch im Führungsalltag bedeutsam ist, ist für die Anleitung von Pferden eine wichtige Voraussetzung.

Sabine Fels, die Hof und Pferde zur Verfügung stellte, freut sich über das ungewöhnliche Projekt. Für Prof. Dr. Ulrike Starker steht einer Fortsetzung nichts im Weg: „Ich würde mich freuen, wenn die nachfolgenden Jahrgänge das Training weiterführen“, so die Expertin für Methodenlehre und Personalentwicklung.