03.07.2017 - 09:34 Uhr |

Hochschule Harz

Was vor 25 Jahren als Utopie galt, wird zum realistischen Ziel

GHS_Juni_Nachgang_Preisverleihung

Wernigerode, 03.07.2017 (newsropa.de) - Kurz vor der Sommerpause ging es bei der Juni-Vorlesung der GenerationenHochschule um die Energieversorgung der Zukunft. Die Verfahrenstechnikerin Dr.-Ing. Ute Urban sprach über „100 % Erneuerbare Energien - Utopie oder realistisches Ziel?“. Im Anschluss wurden zwei studentische Abschlussarbeiten zum Thema Erneuerbare Energien prämiert. Ausrichter der Preise ist der HS Harz Solar e.V.; der aus Hochschulangehörigen bestehende Verein engagiert sich erfolgreich für den Einsatz von Photovoltaik-Anlagen.

Ute Urban ist Energie- und Umweltberaterin in Derenburg und war jahrelang in Forschungsprojekten zum Nachhaltigen Wirtschaften und als Dozentin im Bereich Wirtschaftsingenieurwesen an der Hochschule Harz tätig. Sie skizzierte den rasanten Wandel der öffentlichen Einschätzung: „1991 ging man in der Politik noch davon aus, dass Sonne, Wasser und Wind langfristig nicht mehr als vier Prozent unseres Strombedarfs decken können. Diese Hürde wurde bereits vier Jahre später genommen.“ Heute werden allein in Sachsen-Anhalt schon 52 Prozent des jährlichen Strombedarfs durch regenerative Energien gedeckt. Die Nutzung von fossilen Rohstoffen ist hingegen rückläufig: 2011 machten Mineralöle noch rund 34 Prozent des Primärenergieverbrauchs in Deutschland aus. Zu den Gründen gehören nicht nur die Endlichkeit der Ressource, sondern auch die Risiken der Förderung, was u.a. die Explosion der Bohrplattform Deepwater Horizon zeigt. Ein weiteres Problem konventioneller Energieträger sind die Treibhausgasemissionen – weltweit jährlich circa 30 Milliarden Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente. „Daraus resultiert die Erhöhung der Temperatur in der Atmosphäre. Um dem entgegenzuwirken, soll bis zum Jahr 2050 eine Dekarbonisierung erreicht werden, bzw. eine Reduzierung um 85 bis 90 Prozent“, erklärte die Referentin.

Wie sich Kohle-und Windkraftwerke in ihrer Energiebilanz unterscheiden, stellte Ute Urban im zweiten Teil vor: „Konventionelle Kraftwerke haben einen Erntefaktor, der geringer als 1 ist, das heißt, dass mehr Energie eingesetzt werden muss, als am Ende ‚geerntet‘ werden kann.“ Dies rentiere sich, da der fossile Rohstoff, z.B. Kohle, billig ist. Ein Windkraftwerk hingegen hat innerhalb eines Jahres bereits so viel Energie produziert wie für den Bau benötigt wurde. Das Fazit der Dozentin fällt dementsprechend pro Erneuerbare Energien aus: „Die Chancen überwiegen die Risiken. Es empfiehlt sich daher, eine hundertprozentige Versorgung durch regenerative Energien anzustreben. Der heutige Stand der Technik macht möglich, was vor 25 Jahren noch als Utopie galt.“

Zum Ende der Veranstaltung erfolgte die Prämierung herausragender Abschlussarbeiten auf dem Gebiet der Erneuerbaren Energien. Verliehen wurden die Preise durch Prof. Dr. Johann Krauser, Hochschullehrer für Physik und Elektrotechnik sowie Vorsitzender des HS Harz Solar e.V. - über die Auszeichnung freuen konnten sich die Ingenieurin Elke Maume und der BWL-Absolvent Bastian Kabitzky. Elke Maume fand in ihrer Arbeit einen Weg, bleihaltiges Lot durch einen Kleber zu ersetzen; Solarmodule werden dadurch noch umweltfreundlicher. Bastian Kabitzky analysierte die Voraussetzungen für den Einsatz von Elektro-Autos bei mobilen Pflegediensten.

Der nächste Vortrag der GenerationenHochschule findet am Dienstag, dem 12. September, von 17 bis 19 Uhr im AudiMax („Papierfabrik“, Haus 9) auf dem Wernigeröder Campus statt. Dr. Christian Rademacher von der Martin-Luther-Universität Halle Wittenberg spricht zum Thema: „Demographische Entwicklung in Sachsen-Anhalt: Aktionen und Aktionismus“. Die Teilnahme ist wie immer kostenfrei, die Anmeldung erfolgt unter www.generationenhochschule.de.