11.09.2018 - 09:14 Uhr |

IHK Halle

Talfahrt bei Unternehmensgründungen verlangsamt

IHK legt den 4. Gründerreport vor

Halle (Saale), 11.09.2018 (newsropa.de) - Im Süden Sachsen-Anhalts ist das Gründungsaufkommen das siebte Jahr in Folge rückläufig. Verglichen mit 2010 wurden im vergangenen Jahr rund 31 Prozent weniger Unternehmen gegründet. Das geht aus dem gerade erschienenen 4. Gründerreport der Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau (IHK) hervor. Allerdings hat sich die Talfahrt zuletzt verlangsamt. In einigen Regionen – etwa in den Landkreisen Mansfeld-Südharz, Wittenberg, im Burgenlandkreis und in der Stadt Halle (Saale) – starteten 2017 sogar mehr Menschen in die Selbstständigkeit als im Jahr zuvor. Die meisten neuen Firmen gibt es in den Branchen Dienstleistungen und Handel. Durchschnittlich über ein Drittel aller Gründungen erfolgt im Nebenerwerb.

„Aus diesen Befunden bereits ein Ende des seit Jahren anhaltenden Negativtrends bei den Existenzgründungen abzuleiten, wäre allerdings verfrüht“, betont Antje Bauer, IHK-Geschäftsführerin Starthilfe und Unternehmensförderung. Dass immer noch nur wenige Menschen den Schritt in die Selbständigkeit wagten, läge vor allem an der weiterhin guten Konjunktur, dem damit verbundenen Fachkräftebedarf und niedrigen Arbeitslosenzahlen. Unter solchen Arbeitsmarktbedingungen bevorzugten viele Menschen eine abhängige Beschäftigung, erklärt Bauer. „Darüber hinaus wirkt die demografische Entwicklung: Die Jahrgänge mit besonders gründungsaktiven Menschen schrumpfen.“ Der ohnehin gering ausgeprägte Gründergeist werde durch vergleichsweise hohe Hürden beim Start sowie mangelnde finanzielle Möglichkeiten verfestigt. „Und nicht zuletzt hemmt die Angst vorm Scheitern“, so Bauer.

Laut IHK-Gründerreport war der ‚typische Gründer‘ im Jahr 2017 männlich, 39 Jahre alt und hat sich mit einer eigenen Geschäftsidee und ohne Geschäftspartner in der Dienstleistungsbranche selbstständig gemacht. Der Vergleich mit der Untersuchung vor fünf Jahren zeigt deutliche Unterschiede: Gründer sind heute durchschnittlich sechs Jahre jünger, starten seltener als Einzelunternehmer und entscheiden sich häufiger für einen Betriebssitz außerhalb des eigenen Wohnraumes.

Nach IHK-Erhebungen hat sich die Überlebenschance neu gegründeter Unternehmen im IHK-Bezirk in den zurückliegenden Jahren signifikant verbessert: Waren Anfang der 1990er Jahre etwa nur noch die Hälfte aller Neugründungen nach drei Jahren noch am Markt, überlebten in den Jahren 2008 bis 2015 dagegen mehr als zwei Drittel (68 Prozent) aller Unternehmen diese Zeitspanne. Das fünfjährige Betriebsjubiläum erreichten immerhin noch 54 Prozent aller Gründer, zu Beginn der 1990er Jahre waren es sieben Prozentpunkte weniger. Unverändert erfolgen die meisten Firmenaufgaben in den ersten beiden Geschäftsjahren: Im Schnitt melden aktuell ein Viertel aller Gründer bis dahin ihre Firma wieder ab.

„Häufige Gründe dafür sind damals wie heute mangelnde kaufmännische Grundlagen, ungenügende Kenntnisse der Marktsituation und unrealistische Erwartungen an zu erwartende Umsätze“, berichtet IHK-Gründungsberater Jörg Prochner aus der täglichen Praxis. Als neue Herausforderung sei die Digitalisierung von Geschäftsprozessen hinzugekommen, die insbesondere in den von Gründern bevorzugten Branchen Dienstleistungen und Handel notwendig sei.

Für mehr und mehr tragfähige Gründungen müssen laut IHK Politik, Wirtschaftsvertreter und Gesellschaft gemeinsam sorgen. Existenzgründer bräuchten dringend einen leichteren Zugang zur unternehmerischen Selbstständigkeit insgesamt, weniger Bürokratie und noch mehr Unterstützung bei der Vorbereitung, folgert IHK-Geschäftsführerin Bauer. Außerdem mangele es an der öffentlichen Akzeptanz für das Unternehmertum. Vor allem jüngere Menschen müssten mit der Möglichkeit eines eigenen Unternehmens vertrauter werden. „Gründergeist und Interesse am Unternehmerdasein sollten schon im Schulunterricht geweckt werden.“

Der „4. IHK-Gründerreport“ ist kostenfrei in gedruckter Form in der IHK und als Download im Internet unter: www.halle.ihk.de I Dok.-Nr. 4179200 erhältlich.